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Über Bücher, Texte, Lesen & Schreiben

Erstmals fand die Autorenkonferenz narrativa online statt und erstmals mit der Lektoratssprechstunde #frag-die-lektorin. Für den VFLL beantwortete ich im Slack-Chat Fragen der Teilnehmenden. Eine gute Gelegenheit, um für Qualität im Lektorat zu werben, für die vertrauensvolle Arbeit am Text.

Was war neu am gedruckten Buch? Weniger als gedacht. Es handelte sich eher um eine Neukonzeption, um eine »Neuerfindung von dessen Herstellung« auf der Grundlage bekannter Verfahren. John Boardley erklärt dies vor dem Hintergrund der Renaissance, einer Zeit »allgemeiner Erholung« nach Pest und Hungersnöten, in der gleichzeitig brutale Vernichtungskriege herrschten sowie politische Willkür.

Die Trägerin des Literaturnobelpreises 2018 hat diesen Roman bereits 2007 im polnischen Original veröffentlicht. Jetzt ist die deutsche Übersetzung von Esther Kinsky in einer sehr schönen Neuausgabe beim Kampa Verlag erschienen und wirkt so frisch und federleicht, wie das Cover verspricht.

Cover zu Baetzing, Alpen für Rezension

»Die Alpen sind keineswegs von Natur aus schön«, sagt Werner Bätzing, emeritierter Professor für Kulturgeografie an der Universität Erlangen-Nürnberg und wohl einer der besten Kenner der Alpenregion. Über sein Forschungsgebiet hat er unzählige Arbeiten verfasst, der aktuelle Band erschien erstmals 2005. Für die erweiterte Neuausgabe hat der Autor den Text neu erstellt und drei Viertel der Bilder ausgetauscht. Entstanden ist ein Überblickswerk für alle, die gern in die Berge gehen. Eine Anleitung zum Lesen von Alpenlandschaften.

Unabhängige Verlage als Phänomen des Strukturwandels im Buchmarkt – das ist nichts Neues. Ein fundierter Überblick zum Thema fehlte aber bisher. Diesen gibt Lucia Schöllhuber mit ihrer 2016 erschienenen Dissertation. Sie will aufzeigen, welchen Beitrag Independents für das gesamte Feld wie auch für die Zukunft des Büchermachens leisten. Und sie möchte nicht zuletzt das Bewusstsein dafür schärfen, dass kleine Verlage die Vielfalt an Novitäten sicherstellen.

Texte verstehen, dazu gehört mehr, als ihren Inhalt zu begreifen. Das führt uns eine schöne Sammlung von Beiträgen vor Augen, die aus der Akademischen Mittagspause in Heidelberg entstanden ist, einer Reihe von Kurzvorträgen über Epochen der Schrift- und Menschheitsgeschichte im Sommersemester 2015. Die Publikation richtet sich an einen weiten Kreis von Interessierten.

»Bevor wir ein Urteil zur inhaltlichen Qualität fällen, nehmen wir die äußere Qualität wahr.« Das gilt für Publikationen ganz besonders, und so widmet Johannes Sailler sein Handbuch dem kunst- und fachgerechten Korrigieren von Texten. Es ist ein Werk ganz ohne »besserwisserische Dogmatik« über die »wunderbar interessante und erstaunlich abwechslungsreiche Welt des Korrekturlesens«.

Cover zu Hessenauer, Menschen am Fluss, für folio · Agentur

»Was ist der Fluss? Wie tief ist sein Grund?«, fragt Andreas Hessenauer und macht sich auf die Suche nach den Menschen, die seinem Fluss, der Pegnitz, Charakter und Faszination geben. Eine fränkische Schatzsuche. Zusammen mit dem Fotografen Chandra Moennsad findet er die verschiedensten Typen und ihre ureigenen Geschichten, alle mit einer besonderen Beziehung zur Pegnitz. Zweiundzwanzig davon stellen die beiden in ihrem Buch vor.

Zu den schönsten Entdeckungen im Urlaub gehören für mich die Buchhandlungen und Leseorte unterwegs. Edinburgh als City of Literature, die Stadt von Robert Louis Stevenson, Muriel Spark und Ian Rankin, lockt mit zahlreichen literarischen Bezügen und Führungen wie dem Potter Trail, unter anderem zu dem Café, in dem J. K. Rowling angeblich den ersten Band der Serie schrieb.

»Wie war das eigentlich mit den Preußen?« Marlen lebt in Berlin und interessierte sich für die Geschichte der Stadt. Dass diese im späten Mittelalter »eine ganze Weile lang von Cadolzburg und Ansbach aus regiert« wurde, wie es im Museumsflyer der Cadolzburg heißt, fand sie ziemlich überraschend. Als Fränkin ist sie in Berlin anscheinend goldrichtig.