Nach der x-ten Rechtschreibreform liegen bei Weitem nicht alle Schreibenden orthografisch immer 100%ig richtig. Oder? Und was ist mit Bchutsabensalat? Angeblich »speilt es kenie Rlloe, in welcehr Reiehnfogle die Buhcstbaen in eniem Wrot vorkmomen. Das ist, wiel das menchsilche Ague nicht
jeedn Buhcstbaen liset.«
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Tatsächlich entschlüsselt unser Gehirn mit Leichtigkeit falsch geschriebene Wörter, wenn erstens
die Buchstaben am Anfang und am Ende stimmen, zweitens die Wörter nicht zu lang und unüber-
sichtlich sind und drittens das Chaos überschaubar bleibt. So erklärt es sich, wenn uns beim Lesen
unsere Erwartungshaltung einen Streich spielt: Statt zu entziffern, was da steht, erkennen wir, was
da stehen sollte. (Eine Falle, der man am besten mit doppelter Distanz entgeht, das heißt durch
zeitlichen und/oder personellen Abstand zum Geschriebenen.)
Warum überhaupt einer bestimmten Rechtschreibkonvention folgen?
1. Kenntnis und Anwendung der aktuellen Regeln gelten als Kulturtechnik, Basiskompetenz
und Bildungsnachweis.
2. Ein einheitliches Zeichensystem erleichtert jede schriftliche Mitteilung. Abweichungen von
dieser Norm sind Signale, die den Lesefluss hemmen. Der Leser muss entscheiden, ob es
sich um eine zufällige, erlaubte oder bewusste Regelübertretung handelt.
3. Erst ein »fehlerloser« Text kann seine Wirkung auf allen anderen Ebenen ungehindert entfalten:
Sprache, Stil und Tonalität, Medium, Layout und Typografie interpretieren die Nachricht.
Der Weg zum Adressaten ist frei.
∗ Marion Voigt, »Skript zum Rechtschreibseminar« (Auszug)
∗∗ Vgl. Ulrich Schnabel, »Bnuter Bchutsabensalat«, in: DIE ZEIT, 09. 02. 2006